14.02.2016

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Ausprobiert: Mit hyaluronsäure die Falten glätten

Hyaluronsäure und Botulinumtoxin – viele reden davon, aber selten steht jemand hin und sagt: Ich habe es getan. Bluewin-Redaktor Bruno Bötschi ist eine Ausnahme. Er liess sich kürzlich Hyaluornsäure in beide Wangen spritzen.

«Frischer», sagt Frau Doktor Colette C. Camenisch. Nach der Behandlung solle ich natürlich frischer aussehen. Die Schärfe aus dem Gesicht nehmen wolle sie mir, die Nasolabialfalte abschwächen. Die bitte was?
Schönheit muss leiden, heisst ein geflügeltes Wort, und anscheinend muss man auch viele Fremdwörter kennen. In der Galderma Aesthetic Academy Zürich lerne ich an diesem Nachmittag mindestens ein Dutzend neuer.

Die Nasolabialfalte ist die Weichteilvertiefung, die sich beidseits vom oberen Ende der Nasenflügel bis neben die Mundwinkel zieht. Weil diese Falte bei mir ziemlich ausgeprägt ist, schlägt Frau Doktor vor, sie zu glätten - mit Restylane Perlane Lidocaine, einem Hyaluronsäure-Gel. Er soll in meine Haut injiziert werden, um deren Straffheit, Feuchtigkeit und Elastizität zu verbessern. Natürlich nur, wenn ich damit einverstanden bin.

Hyaluronsäure besteht aus Zuckermolekülen. Sie ist ein Bestandteil des menschlichen Körpers und kann Wasser speichern. Früher wurde die Säure unter anderem aus Hahnenkämmen gewonnen, heute wird sie synthetisch hergestellt. Sie wird in unterschiedlicher Konsistenz angeboten. Männer haben eine dickere Haut als Frauen, bei ihnen werden deshalb Filler mit grösseren Gel-Partikeln eingesetzt.

 

Angst vor Spritzen

Warum ich überhaupt bei Frau Doktor Camenisch in der Praxis gelandet bin? Sharon Stone ist schuld. Vor ein paar Wochen sah ich die Hollywood-Schauspielerin in einer Werbekampagne. Sie trägt den Titel «Proof in Real Life», erprobt im wahren Leben.

Dafür wurden von zehn eineiigen Zwillingspärchen jeweils ein Teil mit Fillern und sogenannten Skinboostern behandelt, um die natürlichen Ergebnisse im Vergleich zum unbehandelten Zwilling zu zeigen. Vertrauen in ästhetische Behandlungen schaffen, wolle man damit, heisst es beim Pharmaunternehmen Galderma, das zu Nestlé gehört.

Tönt nett, dachte ich. Und: Die Filler will ich testen. Ich bin 48 und meine Haut längst nicht mehr so saftig wie mit 20. Lachfältchen, Denkerfurchen, Sorgenfalten. Eine Erfrischung täte gut, momoll. Nur: Ich habe schreckliche Angst vor Spritzen. Kürzlich liess ich mir deswegen beim Zahnarzt sogar eine alte Amalgam-Füllung ohne Spritze entfernen.

Frau Doktor Camenisch lächelt, sie hat Erfahrung mit wehleidigen Männern. Ich solle einfach die Augen schliessen, wenn sie die Nadel ansetze. Und sowieso, der Gel enthalte ein Anästhetikum, das mache die Behandlung schmerzarm.
Welcher Haarschnitt für welches Gesicht?

Mein Puls schlägt aus. Kaum die Augen geschossen, spüre ich die Kanüle – Picks! – schon injiziert Frau Doktor Camenisch das Gel in meine Haut. Ein unangenehmes Gefühl, aber wenig schmerzhaft. Zuerst kommt die rechte, dann die linke Wange dran. Sekunden später droht – wegen dem Anästhetikum - meine Oberlippe einzuschlafen. Es ist ein Gefühl wie beim Zahnarzt, nur dass es nicht im, sondern um den Mund sticht.

 

Es kann zu Schwellungen kommen

Die Behandlung dauert nur wenige Minuten. Und die Wirkung ist sofort sichtbar: Meine Wangen sind etwas aufgeschwollen, die Einstichstellen leicht gerötet. Es brennt. Plötzlich schwirrt mir Wencke Myhre’s Song «Er hat ein knallrotes Gummiboot» im Kopf herum. Die Frau Doktor hat mich vorab gewarnt: Es kann zu Schwellungen kommen. Bis sich die Haut wieder beruhige, dauere es fünf, sechs Tage. Danach solle ich zur Nachkontrolle vorbei kommen.

Und wirklich, nach wenigen Tagen beruhigt sich die Lage in meinem Gesicht. Meine beiden Nasolabialfalten sind weniger ausgeprägt, die Wangen nicht mehr so stark eingefallen, zumindest die linke. Rechts bin ich nicht ganz zufrieden, Frau Doktor Camenisch auch nicht. Bei der Nachkontrolle spritzt sie deshalb nochmals etwas nach.

Tage später treffe ich eine Freundin zum Kafi. Sie sagt, ich sähe irgendwie frischer aus. Okay, denke ich, dann hat sich die Pickserei also gelohnt. Hyaluronsäure ist übrigens biologisch abbaubar, deshalb wird der Effekt nach neun bis zwölf Monaten aus meinem Gesicht verschwinden.

Ob ich es wieder tun werde? Ich denke nicht. Die Kosten für meine Behandlung belaufen sich auf rund 1000 Franken. So viel ist mir Schönheit dann doch nicht wert.